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6. Ehemalige Ziegelei/ehemaliges Sägewerk

Am 14 September 1695 hatte der Ziegler Lorenz Steinmetz einen Antrag auf Errichtung einer Ziegelhütte an die Herrschaft gestellt, am 31. Dezember 1696  kam eine erneute Anfrage. Da er den Weigenheimer ‚Leimen‘ als wesentlich besser ansah als den Uffenheimer, stellte er am 16 Januar 1697 erneut einen Antrag. Die Hartnäckigkeit wurde wohl belohnt, denn 1697 stellt ein Sebastian Steinmetz einen Antrag auf Ansässigmachung in Weigenheim.

 

Der erste Ziegler, der in den Weigenheimer Kirchenbüchern genannt ist, ist der am 5.11.1795 im Alter von 54 Jahren und 8 Monaten verstorbene Zieglermeister Johann Heinrich Stäck.

Ziegel

1906 kaufte Johann Michael Müller * 2.4.1873, + 30.8. 1933, Schuhmacher, Ziegler, Bauer, Bürgermeister die Ziegelei.

Nach der Elektrifizierung des Ortes 1906 bis 1914 werden Ziegel und Backsteine schon mit Maschinen hergestellt, wie der Enkel des letzten Ziegeleibesitzers, Ludwig Müller, berichtete. Der benötigte Lehm wurde an den Lehmgruben am Uffenheimer Weg vor der ersten Höhe „bei den 14 Morgen“ und in der „Wasserrunzel“  abgebaut. Als 1914 der 1873 geborene 41jähriger Familienvater von 2 Kindern ( Johann Ludwig, * 25.10.1900 und Anna Sibylla, * 4.12.1907) zum Landsturm einrücken musste,ruhte die Ziegelherstellung und die „Ziegelbuben“, die ihren Arbeitsplatz in der Ziegelei hatten, waren somit arbeitslos.  Nach dem 1.Weltkrieg konnten die zum Ziegelbrennen benötigten Kohlen nicht mehr geliefert werden und das Ziegelbrennen musste aufgegeben werden.

Nach einer dreijährigen Überbrückung als „Hauderer“  (= Lohnfuhrwerker), wie der Enkel Ludwig Müller aus den Berichten seines Vaters weiß, kam es 1921 zu Gründung einer „wilden Sägwerksgenossenschaft“ mit 60 Teilhabern, meistens den „kleineren“ Bauern aus Weigenheim aber auch einigen aus den umliegenden Dörfern. Ein Gatter wurde gekauft und das Sägewerk auf dem Hofgelände südlich der alten Ziegelei errichtet, zunächst noch nicht überdacht.

Sägewerk

 Es war während der Inflationszeit, als einmal auch die Riemen zum Antrieb der Säge gestohlen wurden und mit dem Gegenwert von zwei Hummeln wiederbeschafft werden mussten. 1923 wurde der Betriebsleiter des Sägewerks, Michael Müller, zum Bürgermeister gewählt. Sein Nachfolger als Betriebsleiter des Sägewerks wurde der Sohn Ludwig Müller nach seiner Heirat am 1.7.1928 mit  Anna Margaretha Himmer, Hs. Nr. 85 .  Das genossenschaftliche Sägewerk überstand die schwierige Zeit des Nationalsozialismus und erlebte nach 1945 durch den großen Bedarf an Bauholz  eine gewisse Blütezeit, die sich nach der Währungsreform und der einsetzenden regen Bautätigkeit in der „Wirtschaftswunderzeit“ der 50iger Jahre fortsetzte. Die eingetragene Sägewerksgenossenschaft wurde 1957 aufgelöst und der Plan war  sie in den Besitz der örtlichen Raiffeisenbank zu überführen. Diese Verhandlungen scheiterten jedoch und so entschloss sich der Betriebsleiter Ludwig Müller die Anteilseigner auszubezahlen und  das Sägewerk als Familienbetrieb fortzuführen. 1966 übernahm dann   dessen  Sohn Ludwig Müller das Sägewerk. Die Auslastung bei gleichzeitigen Investitionen (Anschaffung eines Krans und eines Stammwagens) ging jedoch von Jahr zu Jahr zurück, so dass das Sägewerk  immer unrentabler wurde. Als nur noch  2 cbm an Sägeaufträgen hereinkamen, Versicherungsbeiträge und Lasten aber gleichblieben, entschloss sich der inzwischen 81jährige Besitzer nach einer 90jährigen Tradition, sein Sägewerk zum 31.12.2011 stillzulegen und abzumelden, wie er zurückblickend sagte. Das überdachte Sägegatter sollte aber nach seinen Worten dennoch „so lange er lebe“ stehen bleiben. Die Familie erfüllte ihm diesen Wunsch.

Ludwig